Einfach alles verpasst

Diese Geschichte kann man nicht erzählen. Sie beginnt mit einem Moment und endet mit einem Moment. Dazwischen ist nichts. Der Logik halber müsste es sich dabei also um genau den gleichen Moment handeln. Das ist aber in diesem Fall nicht so. Wir betreten hier einen Raum außerhalb der Logik. Ein Ort an dem zwischen zwei Momenten, zwischen denen nichts ist, viele Jahre vergangen sind. Was zwischen diesen beiden Momenten lag, kann man leider nicht mehr rekonstruieren. Genau deshalb muss man um ehrlich zu bleiben, sagen, dass zwischen diesen beiden Momenten nichts lag. Nichts von Belang nämlich, nichts woran man sich erinnern kann. Der Moment, wie soll man das beschreiben? Das ist das Gefühl, wenn du kurz etwas über die Welt verstanden hast. Wirklich verstanden. Wenn da nicht mehr so viel Platz zwischen deiner Seele und der Ordnung der Dinge ist. Oder zwischen deiner Seele und der eines Anderen. Vollkommene Klarheit und gleichzeitig bist du blind, blind für alles andere.

Das ist die Schwierigkeit mit Momenten oder Augenblicken, wenn man so will. Sie sind nur schwer zu fassen, dafür dauern sie einfach nicht lang genug. Aber wenn man großes Glück hat und per Zufall auch zum richtigen Zeitpunkt ein offenes Herz, dann erwischt man den Moment, oder besser gesagt erwischt der Moment einen und wenn das passiert, beginnen die Probleme. Denn der Moment fühlt sich so gut an, dass man beginnt ihn zu lieben. Mehr als alles andere und vielmehr als das Jetzt. Man läuft von Moment zu Moment, man sucht und hofft. Und so kann es kommen, dass zwischen zwei Momenten, zwischen denen viele Jahre vergangen sind, nichts von Belang liegt, weil man es einfach verpasst hat. Einfach alles verpasst.

 

Ich will euch doch nur gefallen.

Mein Ego ist eine kleine rothaarige Babykatze, die gestreichelt werden will. Das hat nichts damit zu tun, dass meine Mutti mich nicht genug beachtet hat als Kind oder so ähnlich, sondern mit den Eigenschaften die kleine Babykatzen so an sich haben, weil man es ihnen ab Tag 1 auf dieser dunklen, kalten Welt so beibringt: Sie wollen gefallen. Sie müssen gefallen. Es ist ihre Daseinsberechtigung, sie erfüllen ja sonst keine Funktionen.

Die Wahrheit:

Ich will eure Daumen. Ich will sie wegen der kleinen rothaarigen Babykatze. Und wenn die Dozentin fragt, wer von “Ihnen” schon mal ein Bild hochgeladen hat, damit jemand anders den roten Button der Selbstverliebtheit drückt und sich keiner meldet (nicht mal ich) dann kitzelt es in mir drin, weil die Babykatze versucht durch meinen Bauchnabel auf den Tisch zu springen, sich vor der Seminargruppe aufzubauen und zu sagen: “Ja, ich!”

Der Unterschied:

Film, Foto, Text, alle Bilder die wir malen, sind dazu da, dass ihr sie seht. Ich will dich begeistern, ich will, dass du Pippi in den Augen hast, vielleicht will ich auch, dass du aufstehst und den Raum verlässt. Aber ich brauche dich. Du bist der “reality check”, wenn man so will. Das ist wie mit dem Baum im Wald, der umfällt und keiner hat’s gehört. Wenn niemand, beispielsweise “Annie Hall” gesehen hätte, dann wüsste auch keiner, dass Woody Allen der Größte ist. Kunst braucht Publikum, genau wie die Babykatze. Es gibt einen Punkt, an dem hat man sich damit abgefunden, dass man von Wenigen manchmal aber auch von unglaublich Vielen Scheiße gefunden wird. Das ist auch okay so, denn man redet sich dann ein, man mache das alles für die Kunst und für sich selbst. Das stimmt ja irgendwie auch ein bisschen, denn wenn ich meine Zeit in Spanien mit lustigen bunten Zügen, die von links nach rechts durchs Bild fahren, verarbeite, dann bedeutet dir das wahrscheinlich gar nichts. Da geht es ja auch um mich. Aber trotzdem schnurrt die kleine rothaarige Babykatze zufrieden, wenn du ihr deine virtuelle Zuneigung schickst, auch wenn du nicht mal geschnallt hast, dass es da um Spanien und Züge geht. Wenn du es aber doch schnallst, dann haben wir eine Brücke gebaut aus Katzenhaaren, Kunst und Liebe. Das ist der Moment um den es geht.

Im Ernst:

Meine kleine rothaarige Babykatze habe ich nur erfunden.

Das Ergebnis:

Wir wollen euch doch nur gefallen. Wer sagt er macht die Kunst nur für sich und nur für sich allein, der hat mit ganz großer Sicherheit eine tobende Babykatze im Bauch. Ganz sicher.

 

Note: It’s a new day. (25.05.2011)