Einfach alles verpasst

Diese Geschichte kann man nicht erzählen. Sie beginnt mit einem Moment und endet mit einem Moment. Dazwischen ist nichts. Der Logik halber müsste es sich dabei also um genau den gleichen Moment handeln. Das ist aber in diesem Fall nicht so. Wir betreten hier einen Raum außerhalb der Logik. Ein Ort an dem zwischen zwei Momenten, zwischen denen nichts ist, viele Jahre vergangen sind. Was zwischen diesen beiden Momenten lag, kann man leider nicht mehr rekonstruieren. Genau deshalb muss man um ehrlich zu bleiben, sagen, dass zwischen diesen beiden Momenten nichts lag. Nichts von Belang nämlich, nichts woran man sich erinnern kann. Der Moment, wie soll man das beschreiben? Das ist das Gefühl, wenn du kurz etwas über die Welt verstanden hast. Wirklich verstanden. Wenn da nicht mehr so viel Platz zwischen deiner Seele und der Ordnung der Dinge ist. Oder zwischen deiner Seele und der eines Anderen. Vollkommene Klarheit und gleichzeitig bist du blind, blind für alles andere.

Das ist die Schwierigkeit mit Momenten oder Augenblicken, wenn man so will. Sie sind nur schwer zu fassen, dafür dauern sie einfach nicht lang genug. Aber wenn man großes Glück hat und per Zufall auch zum richtigen Zeitpunkt ein offenes Herz, dann erwischt man den Moment, oder besser gesagt erwischt der Moment einen und wenn das passiert, beginnen die Probleme. Denn der Moment fühlt sich so gut an, dass man beginnt ihn zu lieben. Mehr als alles andere und vielmehr als das Jetzt. Man läuft von Moment zu Moment, man sucht und hofft. Und so kann es kommen, dass zwischen zwei Momenten, zwischen denen viele Jahre vergangen sind, nichts von Belang liegt, weil man es einfach verpasst hat. Einfach alles verpasst.

 

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